Ein jegliches hat seine Zeit

und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde (Prediger 3,1)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Matthäusgemeinde Okriftel,

seit 13 Jahren bin ich Pfarrerin in Okriftel. Viele von euch kenne ich ebenso lange. Die jüngeren habe ich heranwachsen und erwachsen werden sehen. Andere Menschen, die dazu gehörten, sind schon nicht mehr bei uns.

Wann immer in diesen dreizehn Jahren die Rede darauf kam, war für mich klar: Ich gehe von hier aus in den Ruhestand oder, wenn ich doch noch einmal wechseln sollte, dann werde ich keine neue Gemeinde mehr übernehmen, sondern eine sogenannte Funktions- oder Seelsorgestelle.

In meiner langen krankheitsbedingten Auszeit stand ich 2016 sehr plötzlich vor der Frage nach meiner beruflichen Zukunft und vor der Aufgabe, über Alternativen nachzudenken.

Viele von euch haben in der Zeit der Wiedereingliederung mit mir gesprochen und wissen, dass ich diese Zeit nutzen wollte und musste, um ehrlich und aufrichtig zu schauen, ob der Dienst als Gemeindepfarrerin für mich noch der richtige ist. Ich war und bin nicht mehr dieselbe, die ich bis zu meiner Erkrankung war.

Wann immer ich in den zurück liegenden Monaten angesprochen wurde, habe ich offen auch die Alternativen, die ich im Blick hatte, angesprochen.

Bei alledem möchte ich euch an dieser Stelle DANKE sagen.

DANKE, wie Ihr mich aus Nähe und Ferne begleitet habt und wie eure guten Wünsche mich begleitet haben.

Und DANKE für die Art und Weise, wie ihr mich nach der langen Zeit wieder empfangen habt. Ich habe viel Zuneigung und ehrliche Freude über meine Rückkehr gespürt.

All dies machte es mir nicht leicht, mir selbst zuzugestehen, dass mein Weg als Gemeindepfarrerin sich dem Ende zuneigt. Dass mein Weg sich von dem gemeinsamen mit Euch trennt, wollte ich lange einfach nicht wahrhaben.

Ich weiß, ich habe hier eine tolle Gemeinde, ein schönes Umfeld, und ich habe hier großartige Mitarbeitende im Kirchenvorstand, dem Konfi-Team und den Gruppen. Alles Frauen und Männer, Mädchen und Jungs, die mir lieb geworden sind.

Trotzdem sah ich – wenn ich ehrlich schaute – dass meine Zukunft nicht hier in Okriftel liegt.

Anfang 2019 nun bot sich eine Stelle in einer Funktion an, von der ich seit 20 Jahren dachte, dass ich das interessant fände: als hauptamtliche Notfallseelsorgerin.

Aus der Überlegung, in ein/zwei Jahren zu wechseln wurde ein: „Hier und Jetzt“ ist die Zeit. Beruflich wie privat. Zwischenzeitlich haben wir auch einen Ort gefunden, wo wir leben werden: in der westlichen Wetterau, wo wir ein Haus zum Kauf gefunden haben.

Ab 01. Juli 2019 werde ich in den neuen Dienst wechseln und zwei halbe Stellen für Notfallseelsorge übernehmen, die eine hier im Main-Taunus-Kreis, die andere im Wetteraukreis.

Das ist relativ kurz und schnell jetzt.

Ich freue mich auf die neue Aufgabe und bin zugleich unglaublich traurig, Okriftel zu verlassen. Nach 13 Jahren gehe ich, gehen wir beide nicht einfach so fort. Ich habe gerne hier gearbeitet und wir haben gerne hier gelebt.

Ich habe hier wunderbare Menschen kennengelernt. Der Ort, die Gemeinde, die Menschen sind mir ans Herz gewachsen.

Trotzdem bin ich sicher, dass es die richtige Entscheidung ist – für mich, für die Gemeinde.

Ich hoffe sehr, dass ein*e Kollege*in mit Motivation, Freude, Kraft und Liebe nach Okriftel kommen wird, die/der die Matthäusgemeinde auf neue Wege begleitet und dabei hilft, sich gut für die Zukunft aufzustellen.

Bis zu meinem Wechsel stehen werde ich schwerpunktmäßig die Konfirmanden*innen des Jahrgangs 2019 noch bis zur Konfirmation begleiten, mit ihnen die Vorstellung vorbereiten und sie konfirmieren.

Im Juni wird dann meine Verabschiedung sein.

Der Gottesdienst mit anschließendem Empfang ist am 16. Juni 2019 um 17:00 h.

Ich würde mich freuen, wenn ich dann von vielen von Euch persönlich Abschied nehmen kann.

Ich bitte Euch alle für die kommende Zeit um Unterstützung für den Kirchenvorstand, der die Geschäfte nun in der Vakanz führen wird. Mit Isa Günkel hat der Vorstand eine sehr klare, strukturierte und engagierte Vorsitzende, die sich im letzten Jahr mit Akribie und Herz in die Aufgaben hineingearbeitet hat und mit viel Herzblut die Geschäfte führt.

Bitte unterstützt sie nach Kräften und setzt euch weiter für eine bunte und lebendige Matthäusgemeinde ein.

Für alle Unterstützung, für alle Zusammenarbeit – auch und besonders die über die Konfessionsgrenzen hinaus – danke ich Euch allen von Herzen.

Ich hoffe, dass ihr meine Entscheidung nicht nur respektiert, sondern sie ein Stück weit verstehen könnt.

Ich freue mich, dass ich durch meine Tätigkeit im Main-Taunus-Kreis nicht völlig weg bin, sondern sicher der eine oder andere Berührungspunkt in Zukunft da sein wird.

In der Hoffnung, mich persönlich von euch verabschieden zu können, grüße ich Euch.

Und ich wünsche Euch und der Matthäusgemeinde:

Gott behüte und segne euch.

Eure

Pfarrerin Christine Zahradnik

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